ziemlich intensive Zeit. Die Geburt meiner Tochter, der Start in die Selbstständigkeit und dann auch noch der Einzug in das selbst gebaute Haus innerhalb eines Monats: Vernünftig geplant klingt anders. Gleichzeitig beschreibt diese Phase mich ziemlich gut. Ich neige nicht dazu, darauf zu warten, dass irgendwann der vollkommen richtige und stressfreie Zeitpunkt kommt. Den gibt es meistens ohnehin nicht. Natürlich war das mit enormer Verantwortung verbunden, gerade weil plötzlich nicht mehr nur die eigene berufliche Ent- scheidung betroffen war. Aber Familie und Unterneh- mertum waren für mich nie zwei vollständig getrennte Welten. Beides gehört zu meinem Leben. Sie sagen heute, Sie seien „angekommen und angenommen“ und mit der wundervollsten Frau der Welt verheiratet. Was bedeutet Erfolg heute für Sie persönlich? Erfolg hat für mich heute sehr viel mehr Facetten als nur berufliche oder finanzielle. Natürlich bin ich stolz auf das, was wir unternehmerisch aufgebaut haben. Gleichzeitig weiß ich, dass ein gutes Unternehmen allein noch kein gutes Leben garantiert. Ich habe eine Frau an meiner Seite, für die ich sehr dankbar bin, eine tolle Tochter, auf die ich unglaublich stolz bin, meine Familie, Freunde, den Fußball, das Laufen und 56ER UND IHR SCHREIBTISCH LABEL 56 viele Dinge, die mir Freude machen. Ich reise gerne und genieße auch einen guten Rotwein. Irgendwann merkt man, dass Lebensqualität nicht darin besteht, permanent dem nächsten Statussymbol hinterherzu- laufen. Für mich bedeutet Erfolg heute deshalb auch, zufrieden sein zu können, ohne dabei die Neugier auf das Kommende zu verlieren. Nach dem schrittweisen Rückzug aus SRC möchten Sie sich Seminaren, Workshops und Bildung wid men und Ihre Frau in ihrer Arbeit als Coach unter stützen. Was möchten Sie anderen weitergeben? Nach vielen Jahren als Unternehmer sammelt man Erfahrungen, die in keinem Lehrbuch stehen. Man trifft gute Entscheidungen und schlechte, erlebt schwierige Situationen, lernt sehr unterschiedliche Menschen kennen und stellt irgendwann fest, dass manche Dinge im Rückblick viel einfacher erscheinen als in dem Mo- ment, in dem man sie entscheiden musste. Mich reizt die Vorstellung, etwas davon weiterzugeben. Nicht im Sinne von: Ich weiß, wie es geht und alle anderen müs- sen es genauso machen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber vielleicht kann man Menschen Mut machen, Verantwortung zu übernehmen, Entschei- dungen zu treffen und nicht bei jedem Hindernis sofort umzukehren. Genau diese Arbeit mit Menschen kann ich mir für meinen nächsten Lebensabschnitt sehr gut vorstellen. Wenn Sie heute dem 16jährigen Michael begegnen würden, der morgens Zeitungen austrägt und stolz darauf ist, sein eigenes Geld zu verdienen: Was würden Sie ihm über die kommenden Jahrzehnte erzählen? Ich würde ihm wahrscheinlich gar nicht zu viel erzäh- len wollen. Gerade die Tatsache, dass man nicht weiß, was kommt, macht das Leben doch spannend. Ich würde ihm sagen, dass er sich seine Neugier, seinen Optimismus und den Mut zu Entscheidungen bewah- ren soll. Dass nicht jede Entscheidung richtig sein wird und dass das auch nicht schlimm ist. Dass Menschen wichtiger sein werden als manche Zahl auf einem Konto. Dass Familie, Freundschaften, Gesundheit und die Möglichkeit, für andere da zu sein, mit den Jahren an Bedeutung gewinnen. Und ich würde ihm raten, sich nicht zu sehr von Menschen bremsen zu lassen, die immer zuerst erklären, warum etwas nicht funktionie- ren kann. Vor allem aber würde ich ihm sagen: Mach weiter. Das Beste kommt eben noch. 43