56ER UND IHR SCHREIBTISCH LABEL 56 Geschichten zu erzählen. Serien bieten dafür eine wunderbare Möglichkeit, Figuren und Charakte- re über einen längeren Zeitraum zu entwickeln. Gleichzeitig profitiere ich heute von allen Erfahrun- gen, die ich in den vergangenen Jahren sammeln durfte – aus Musikvideos, Werbung, Dokumentatio- nen und unzähligen Drehtagen. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Traum auf eine neue Art weiterzuverfolgen. Wenn Sie heute auf den 22-jährigen Manfred Baulig zurückblicken, der seine erste Medienagentur gegründet hat – was würden Sie ihm gerne mit auf den Weg geben? Wahrscheinlich würde ich ihm sagen, dass er sich weniger Gedanken darüber machen soll, ob ein Weg gerade oder krumm verläuft. Als junger Mensch glaubt man oft, alles müsse nach Plan funk- tionieren. Heute weiß ich, dass genau die Umwege die wertvollsten Erfahrungen mit sich bringen. Ich würde ihm raten, geduldig zu bleiben, auf sein Bauchgefühl zu hören und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Jede schwierige Phase hat mich am Ende weitergebracht. Das erkennt man allerdings meistens erst Jahre später. Zum Abschluss eine persönliche Frage: Woran sollen sich die Menschen eines Tages erinnern, wenn sie den Namen Manfred Baulig hören? Wenn ich es mir aussuchen dürfte, dann nicht wegen einer langen Liste von Produktionen oder prominenten Namen. Ich wünsche mir, dass am Ende ein einziger Film bleibt. Einer, der Menschen wirklich bewegt, der sie noch Jahre später berührt und den sie mit meinem Namen verbinden. Alles andere waren wichtige Statio- nen auf meinem Weg, aber kein Selbstzweck. Viel wichtiger ist mir, dass die Menschen sagen: „Mit ihm konnte man gut zusammenarbeiten. Er war verlässlich, leidenschaftlich und hat seine Arbeit mit Herzblut gemacht.“ Wenn beides zusammen- kommt, ein Film, der bleibt, und die Erinnerung an einen Menschen, mit dem man gerne gearbei- tet hat, dann wäre das für mich das schönste Vermächtnis. 43 i h c a b n e f e D s i u q r a M : o t o F Zeit in ihre Leidenschaft und stellen hohe Ansprü- che an sich selbst. Das hat mich immer beeindruckt und gleichzeitig motiviert, auch bei meiner eigenen Arbeit konsequent zu bleiben. Aktuell begleiten Sie einen Influencer mit Friedreich-Ataxie in einer Dokumentation. Warum sind Ihnen solche Projekte wichtig? Weil Film für mich mehr ist als Unterhaltung. Gute Dokumentationen können Menschen bewegen, zum Nachdenken anregen und Aufmerksamkeit für Themen schaffen, die sonst vielleicht wenig Beachtung finden. Gerade dieses Projekt hat mich persönlich sehr berührt. Es zeigt, wie viel Stär- ke und Lebensmut in einem Menschen stecken können, obwohl das Leben enorme Herausforde- rungen bereithält. Solche Geschichten zu erzählen, empfinde ich heute als besonders wertvoll. Parallel dazu arbeiten Sie an zwei Pilotfolgen für neue Serien. Reizt Sie das Erzählen fiktio- naler Geschichten noch genauso wie früher? Absolut. Eigentlich schließt sich damit ein Kreis. Mein Traum war immer, Regisseur zu werden und