LABEL 56 56ER UND IHR SCHREIBTISCH Sie stammen ursprünglich aus Freiberg in Sachsen. Was hat Sie nach Koblenz geführt? Ich stamme ursprünglich aus Freiberg – dort liegen meine Wurzeln. Der Weg nach Koblenz war damals kein Masterplan, sondern eher das Ergebnis einer Chance, die ich ergriffen habe. Mich hat vor allem ei- nes angetrieben: der Wunsch nach Meinungsfreiheit. Etwas, das es in der DDR so nicht gab. Ich wollte raus aus diesem System, rein in die freie Marktwirtschaft, in ein Leben, in dem Leistung und Haltung zählen. 1983 bin ich in den Westen gegangen – lange vor der Wende. Das war kein einfacher Schritt, sondern eine bewusste Entscheidung für ein anderes Leben. Ich wollte mehr als einfache Jobs. Ich wollte mein Abitur nachholen, mich weiterentwickeln und mir eine echte berufliche Perspektive aufbauen. Die ersten Jahre wa- ren alles andere als bequem. Zwischen 1983 und 1988 habe ich im Grunde aus dem Koffer gelebt, immer unterwegs, immer auf der Suche nach meinem Platz. Gefunden habe ich ihn schließlich in Koblenz – beruf- lich wie privat. Heute ist das nicht nur ein Standort, sondern meine Heimat. Die Verbindung zur Heimat besteht trotzdem noch? Ja, absolut. Die Wurzeln bleiben. Wir haben heute noch eine Niederlassung in Freiberg, zwischen Dres- den und Chemnitz, und das ist für mich mehr als nur ein weiterer Standort. Das ist ein Stück Herkunft, das ich mir bewusst erhalten habe. Es zeigt auch, dass man sich weiterentwickeln kann, ohne das, wo man herkommt, komplett hinter sich zu lassen. Diese Ver- bindung erdet einen auch. Herr Fischer, wenn Sie heute auf den Start 1997 zurückblicken – war das Mut oder eher Notwendigkeit? Eine Mischung aus beidem. Mut gehört dazu, aber es war auch eine klare innere Notwendigkeit. Ich hatte meine Ausbildung als Industriekaufmann in Koblenz- Arenberg abgeschlossen und danach schnell Verant- wortung in einem mittelständischen Unternehmen übernommen. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Ich will nicht nur mitlaufen, ich will selbst gestalten. Das Wissen und die Erfahrung, die ich gesammelt hatte, wollte ich in etwas Eigenes überführen. Der entscheidende Moment kam dann 36 tatsächlich ganz unspektakulär – in einer Sauna, im Gespräch mit Freunden. Keine große Planung, kein Businessplan auf dem Tisch. Aber genau dort ist die Idee entstan- den, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Wie sah diese Anfangszeit konkret aus? Sehr bodenständig und gleichzeitig sehr intensiv. Wir sind zu zweit gestartet. Klein, überschaubar, ohne große Sicherheiten. Neun Geräte, ein Anhänger und ein Büro mit gerade einmal vier Quadratmetern – das war der An- fang. Es gab keine Strukturen, kein Team, das Dinge abgefangen hat. Wenn nachts etwas ausgefallen ist, bist du selbst losgefahren. Nach vier Jahren habe ich die Gesellschaft vollständig übernommen und führe das Unternehmen seitdem allein. Rückblickend