LABEL 56 56ER UND IHR SCHREIBTISCH Roman, wenn man auf Ihren Weg schaut – was hat Sie mehr geprägt: die Herkunft oder die Entscheidungen, die Sie später getroffen haben? Ich glaube, die Herkunft ist das Funda- ment – aber die Entscheidungen sind das, was am Ende sichtbar wird. Ich bin in eine Situation gekommen, in der nichts selbst- verständlich war. Das prägt deinen Blick auf Dinge. Du hinterfragst mehr, du beob- achtest mehr, du verlässt dich nicht darauf, dass dir jemand den Weg zeigt. Aber ent- scheidend ist, was du daraus machst. Viele haben ähnliche Voraussetzungen – aber nicht jeder entscheidet sich bewusst für Verantwortung. Für mich war relativ früh klar: Ich will nicht reagieren, ich will gestal- ten. Und genau diese Haltung spiegelt sich heute auch in meiner Arbeit wider. Sie kamen 1991 als Spätaussiedler nach Deutschland – was sind Ihre frühesten Erinnerungen an diese Zeit? Es ist weniger eine konkrete Erinnerung als ein Gefühl: Du bist nicht automatisch Teil des Systems. Du musst dich einfinden, verstehen, wie Dinge funktionieren. Das beginnt bei Sprache, geht aber viel tiefer. Ich habe früh gelernt, Situationen zu lesen. Zu verstehen, wie Menschen ticken, wie Strukturen aufgebaut sind. Und das hilft mir heute enorm – gerade in der Immo- bilienverwaltung, wo es oft darum geht, unterschiedliche Interessen zusammen- zubringen und Lösungen zu finden, die funktionieren. Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Ich muss hier meinen eigenen Weg gehen? Das war kein einzelner Moment, eher eine Entwicklung. Ich habe gemerkt, dass ich mich nicht in bestehende Strukturen „einpassen“ möchte, wenn sie für mich keinen Sinn ergeben. Das ist übrigens auch ein Gedanke, der später zur Gründung von Immaco geführt hat. Ich habe gesehen, wie Verwaltung oft läuft – kompliziert, langsam, intransparent. Und ich habe mir gedacht: Das geht besser. Und vor allem: Das muss besser gehen. Der Hunsrück ist keine Bühne für große Träume – was hat Sie dort geprägt? Gerade das Bodenständige. Du lernst, dass Ergebnisse zählen – nicht Worte. Dass Verlässlichkeit wichtiger ist als Selbstdar- stellung. Das ist auch etwas, was wir bei Immaco bewusst leben. Unsere Kunden in- teressiert nicht, wie wir uns darstellen – sie interessiert, ob ihre Immobilie funktioniert. Ob Abrechnungen stimmen, ob Prozesse laufen, ob jemand erreichbar ist. Und genau darauf konzentrieren wir uns. Mit 19 zur Bundeswehr – war das eine bewusste Entscheidung oder eher ein „Ich muss raus hier“? Es war eine klare Entscheidung. Ich wollte mich testen. Ich wollte wissen, wie be- lastbar ich wirklich bin – körperlich und mental. Die Bundeswehr war für mich kein Umweg, sondern eine sehr bewusste Schule fürs Leben. Und ich glaube, viele unterschätzen, wie prägend diese Zeit sein kann. Fallschirmjäger zu sein, ist kein Spaziergang - was hat diese Zeit mit Ihnen gemacht? Sie hat mir eine klare Struktur gegeben. Du lernst, Entscheidungen zu treffen – auch unter Druck. Und du lernst, dass Zögern oft die schlechtere Option ist. Das überträgt sich eins zu eins auf das Unternehmertum. In der Immobilienverwaltung gibt es ständig Situationen, in denen du handeln musst: Schäden, Konflikte, wirtschaftliche Entschei- dungen. Wenn du da nicht klar bist, verlierst du Zeit – und am Ende Vertrauen. 36